Landkreis Lüchow-Dannenberg
Landrätin Dagmar Schulz
Königsberger Str. 10
29439 Lüchow (Wendland)
Küsten, 08.05.2026
Betreff: Offener Brief zur Windkraftplanung im Landkreis Lüchow-Dannenberg – Verantwortung für Mensch, Natur und Region
Sehr geehrte Frau Landrätin Dagmar Schulz,
wir wenden uns als BI „Initiative Pro Wald“ vorrangig für die Gemeinden Küsten, Maddau, Püggen und Süthen sowie im Verbund mit weiteren Initiativen aus dem Landkreis Lüchow-Dannenberg an Sie, darunter die BI Windkraft Zernien, Aura Integra aus Schnega, die Bürgerinitiative „Wald ohne Windkraft“ Marleben sowie die BI Breetzer Berge.
Wir vertreten zahlreiche Bürgerinnen und Bürger aus betroffenen Gemeinden, die mit großer Sorge auf die aktuellen Planungen zur Ausweisung von Windenergieflächen – insbesondere im Bereich von Wäldern und in unmittelbarer Nähe zu den Wohnorten Küsten, Maddau, Püggen und Süthen – blicken.
In Ihrer öffentlichen Vorstellung betonen Sie die Bedeutung von Verantwortung, Offenheit und einem offenen Ohr für die Menschen im Landkreis. Genau daran möchten wir anknüpfen.
Unsere große Sorge ist, dass die derzeitigen Planungen nicht nur technische Infrastruktur betreffen, sondern tief in die Lebensgrundlagen unserer Region eingreifen, beispielsweise durch:
- gesundheitliche Auswirkungen auf Menschen durch Dauerbelastung (Schall, Infraschall, Licht)
- Gefährdung sensibler Arten wie Rotmilan, Seeadler und Fledermäuse
- Eingriffe in Wälder als zentrale Klima- und Lebensräume
- langfristige Belastung von Böden und Wasser (z. B. durch Rotorabrieb sowie tiefe Versiegelung der Flächen durch ausgedehnte Betonfundamente)
Diese Themen werden aus unserer Sicht bislang nicht ausreichend berücksichtigt oder transparent dargestellt.
Unsere Fragen an Sie, bei denen wir Sie um eine klare Positionierung bitten:
- Gesundheit
Wie stellen Sie sicher, dass mögliche Auswirkungen von Infraschall und Dauerbelastung auf die Bevölkerung ernsthaft geprüft und berücksichtigt werden?
Wie bewerten Sie den Umstand, dass hinsichtlich möglicher gesundheitlicher Auswirkungen von Windenergieanlagen weiterhin wissenschaftliche Diskussionen bestehen und keine abschließende Unbedenklichkeit festgestellt wurde?
- Artenschutz
Wie gewährleisten Sie, dass aktuelle und belastbare Daten zu Horststandorten und Flugkorridoren windkraftsensibler Arten Grundlage der Planungen sind?
- Waldschutz
Wie vereinbaren Sie den Ausbau von Windkraft mit dem Schutz von Wäldern als bedeutende Klima- und Ökosysteme sowie als wichtige CO₂-Speicher?
- Umweltbelastung
Wie wird der Eintrag von Mikroplastik und Schadstoffen durch Rotorabrieb bewertet und überwacht?
- Verantwortung & Transparenz
Wie stellen Sie sicher, dass Bürgerinnen und Bürger frühzeitig, umfassend und auf Augenhöhe in diese Entscheidungen eingebunden werden?
- Auswirkungen auf Wohnorte und Eigentum
Wie bewerten Sie die Auswirkungen geplanter Windenergieanlagen auf die Lebensqualität und den Wert älterer Wohnhäuser im ländlichen Raum?
Eine Studie des RWI – Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung beschreibt insbesondere bei älteren Häusern in ländlichen Regionen Wertverluste von bis zu 23 % in der Nähe von Windenergieanlagen. Gerade für unsere historisch gewachsenen Dörfer im Wendland stellt dies aus unserer Sicht einen wichtigen Abwägungspunkt dar.
Bei der öffentlichen Veranstaltung „Wendland = Windland? Ausbau ohne Maß?“ am 20.04.2026 in Dannenberg äußerten Sie sinngemäß, dass fraglich sei, welche Standorte letztlich überhaupt umgesetzt werden, da sämtliche Flächen nochmals geprüft würden. Zudem verwiesen Sie auf eine mögliche Evaluation ab 2027 sowie darauf, dass Wälder im Zusammenhang mit dem Landes-Raumordnungsprogramm (LROP) möglicherweise neu bewertet werden müssten.
Diese Aussagen haben bei vielen Bürgerinnen und Bürgern die Hoffnung geweckt, dass die aktuellen Planungen noch nicht unumkehrbar festgelegt sind und dass bestehende Bedenken tatsächlich Einfluss auf zukünftige Entscheidungen haben können.
Daher möchten wir Sie konkret fragen:
- Welche realistischen Möglichkeiten sehen Sie aktuell, die Ausweisung geplanter Windenergieflächen im Landkreis nochmals zu überprüfen oder anzupassen?
- Welche Bedeutung messen Sie den Sorgen der betroffenen Gemeinden und Bürgerinitiativen im weiteren Verfahren tatsächlich bei?
- Und setzen Sie sich persönlich dafür ein, dass Waldflächen und wohnortnahe Bereiche im Landkreis künftig restriktiver bewertet werden?
Gerade vor dem Hintergrund Ihrer öffentlichen Aussagen wünschen sich viele Menschen im Wendland Klarheit darüber, welche Einflussmöglichkeiten auf Landkreis- und Landesebene tatsächlich bestehen.
Wir erwarten, dass Entscheidungen dieser Tragweite:
- auf einer vollständigen und transparenten Datengrundlage beruhen
- die Gesundheit von Menschen und Tieren ernsthaft berücksichtigen
- die besonderen Qualitäten unserer Kulturlandschaft im Wendland schützen
Gerade in einer Zeit wachsender Herausforderungen braucht es besonnene, verantwortungsvolle und mutige Entscheidungen.
Wir sind bereit zum Dialog.
Wir laden Sie ein, mit uns und weiteren Initiativen in einen offenen Austausch zu treten – vor Ort, in den betroffenen Gemeinden. Gern weisen wir in diesem Zusammenhang bereits auf eine geplante öffentliche Veranstaltung im September 2026 im Gildehaus Lüchow hin.
Die Menschen im Wendland sind aufmerksam, engagiert und tief mit ihrer Region verbunden.
Sie erwarten, gehört zu werden – nicht erst im Nachhinein, sondern jetzt.
Mit freundlichen Grüßen
im Auftrag Antje Mohrdieck
für die BI „Initiative Pro Wald“
Granstedter Weg 5
29482 Küsten
iniprowald@posteo.de